Angediente Empörung

Eigentlich war ein solches Buch überfällig: Der Kölner Journalist Stefan Koldehoff setzt in „Die Bilder sind unter uns – Das Geschäft mit der NS-Raubkunst“ einen grellen Scheinwerfer auf die braune Vergangenheit des deutschen Kunsthandels. Zufriedenstellend aber ist die Lektüre nicht.

Lesen Sie hier die Rezensionsnotiz für die taz.

„Die Freude und die Bestürzung gehören zusammen“

Der Politikwissenschaftler und Leipziger-Buchpreis-Träger Herfried Münkler („Die Deutschen und ihre Mythen“) spricht im Interview (in der Märkischen Oderzeitung Ostbrandenburg, im Freien Wort Südthüringen und ab heute auch in Kunststoff, Kulturmagazin für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) über 20 Jahre DDR-Umsturz und Mauerfall, das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin und darüber, warum der 9. November – Nacht der Grenzöffnung 1989, aber auch des Novemberpogroms 1938 – den besseren Gedenktag abgegeben hätte.

„Die Qualität eines politischen Mythos ist gerade die Fähigkeit des Fort- und Umerzählens und auch der Umgang mit Mehrfachkodierungen. […] Einerseits erfüllt uns dieser Tag mit einer gewissen Zufriedenheit über den Verlauf unserer Geschichte. Andererseits erfüllt er uns immer auch mit einer Bestürzung über das, was der 9. November auch noch war.

Wo waren Sie …

… in der Nacht, in der die Mauer fiel? Die Schriftstellerin Julia Franck („Grenzübergänge“) und der Essayist Renatus Deckert („Die Nacht, in der die Mauer fiel“) haben jeweils rund zwei Dutzend Autoren aus Ost und West um ihre Erinnerungen an den 9. November 1989 und die Grenzöffnung gebeten. Das Kuriose: Kaum einer ist tatsächlich dabei gewesen.

Eine Doppelrezension für Kunststoff, Kulturmagazin für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nicht im Netz, aber dafür hier gedruckt zu haben.

Von Bildern und Räubern

Der Historiker Hanns Christian Löhr zeigt in dem Buch „Die Kollektion Hermann Göring: Der eiserne Sammler Kunst und Korruption im ,Dritten Reich‘“, wie sich der „Reichsmarschall“ und NS-Verbrecher Hermann Göring bei der Ausplünderung jüdischer Sammlungen in ganz Europa bereicherte.

Was davon zu halten ist, steht im Kulturteil der taz.

Eine deutsche Karriere

Sie war keine Anhängerin der Nazis, aber fühlte sich einer „Schicksalsgemeinschaft aller Deutschen“ verpflichtet: die Testpilotin und Rüstungsingenieurin Melitta von Stauffenberg, Schwägerin des Hitler-Attentäters. In Berlin-Kladow erinnert jetzt eine Ausstellung an diese ambivalente Frau.

Eine Einschätzung der Schau für die Berlinkultur-Seite der taz.

„Sonst ist die Kommission tot“

In Prag findet derzeit die Nachfolgekonferenz der Washingtoner Konferenz von 1998 statt, auf der sich 44 Staaten zu „fairen und gerechten Lösungen“ im Umgang mit NS-Raubkunst verpflichteten. Im Interview für die taz zieht der Berliner Rechtsanwalt Gunnar Schnabel eine ernüchternde Bilanz und verlangt eine Reform der Limbach-Kommission.

„Sie muss auch einseitig angerufen werden können. Ihre Entscheidungen müssen verbindlich für die Beteiligten sein. Und es muss eine Veröffentlichungs- und ausführliche Begründungspflicht für ihre Entscheidungen geben. Ansonsten ist die Kommission tot.

Moral oder Gesetz (Wdhlg.)

Raubkunst und Restitution: In Berlin stellten Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Andrea Baresel-Brand von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste den Tagungsband „Verantwortung wahrnehmen“ vor. Darin abgedruckt sind die Redebeiträge eines gleichnamigen Symposiums vom vergangenen Herbst.

Den damaligen Tagungsbericht für die taz finden Sie hier.

Raub und Beute

Lassen sich NS-Raubkunst und die Beutekunst, die die Sowjetarmee nach 1945 aus Deutschland abtransportierte, gemeinsam diskutieren? Ein Dresdner Symposium, dessen Redebeiträge jetzt in Buchform vorliegen, zeigt vor allem eines: Auch wenn es den Veranstaltern keineswegs um eine Gleichsetzung ging, ist eine Verknüpfung schon deshalb unglückselig, weil keine der beiden Debatten dadurch vorangebracht werden kann.

Eine Rezensionsnotiz für den Kulturteil der taz.